Frühjahrsstrauß mit vielen bunten Blüten

Schoppensänger und Musikverein Sulzbach luden zum Konzert in der Schulaula

Main-Echo, 11. April 2000

Sulzbach. Schon unter Dietmar Rehse, erst recht aber, seit dessen Sohn Winfried die Stabführung übernommen hat, ist das junge Ensemble der »Edelweiß«-Musiker bekannt dafür, dass es vor modernen, eher experimentellen Stücken nicht zurückscheut und dem Publikum durchaus etwas »zumutet«. Genau so war es auch diesmal beim Frühjahrskonzert in der Aula der Volksschule.

Es ging los mit dem Titel »Choral Music« des jungen holländischen Komponisten Jacob de Haan. Von »Choral« war zunächst gar nichts zu hören. Ganz temperamentvoll, mit Soloeinlagen des Schlagzeugs und hellen Fanfarenklängen begann es, erst später war ansatzweise zu vernehmen, was der Titel versprach, bevor das außerordentlich interessante Stück triumphal endete. Die Ouvertüre von Giuseppe Verdis Oper »Nebukadnezar« bot einen Strauß vieler Themen, unter ihnen natürlich auch den berühmten »Gefangenenchor«, und bewies eindrucksvoll das breite Spektrum, über das die Sulzbacher Musiker verfügen. Unter Rehses sensibler und doch fester Leitung gestalteten sie alle Stimmungs- und Tempowechsel bruchlos und rundum überzeugend aus. Das Publikum klatschte zwar ein bisschen zu früh – aber so ein Potpourri ist ja auch ganz schön gefährlich!

Die volkstümlich angehauchte »Mühle im Schwarzwald« leitete zu den weiteren Akteuren des Abends über. Die Bläser hatten sich nämlich die weit über Sulzbach hinaus bekannten »Schoppensänger« eingeladen. Hinter der Bezeichnung verbergen sich 16 seriöse Herren im schwarzen Anzug und mit Fliege, die Werner Durschang mit großer Intensität leitete und zu beeindruckenden Leistungen führte. Mit einer Mischung zwischen Comedian Harmonists und Mainzer Hofsängern lieferte das Ensemble den Beweis, dass es über ausgezeichnete Solostimmen verfügen, aber auch in überzeugender Harmonie als Gesamtklangkörper auftreten kann. Das galt für Auftritte zusammen mit wechselnden Bläsergruppen (bei Heinrich Schäfers »Die Post im Walde« gefiel vor allem das Trompetensolo des »Postillons« Winfried Rehse) und die allein zelebrierten.

Zart und intensiv erklang die schwermütige Weise vom Testament des Hauptmanns, das Publikum wurde beim brasilianischen »Rullaley« zum Mitsingen und Mitklatschen animiert. Bei Bernhard Webers »Kleinem Blumenstrauß« bewiesen die Sänger Temperament und kamen in »La Marchia longa« mit »Pfiff« daher. Szenisch und dramaturgisch besonders gelungen: »Da montelbel«, das von Werner Durschang den Sängern auf den Leib geschneidert wurde.

Stellenweise – so zum Beispiel beim Einzugsmarsch aus Johann Strauß´ »Zigeunerbaron« – wirkten die schönen Stimmen der Sänger zwar im Zusammenspiel mit den Bläsern ein wenig zu zart, dennoch kann das Experiment als gelungen gewertet werden. Das fanden auch die Zuhörer, wie der Beifall zeigte.

Nach der Pause kamen die Blasmusik-Fans wieder voll auf ihre Kosten, als die Kapelle beispielsweise Melodien aus »West Side Story« schwungvoll vortrug und Ennio Morricone noch zu dessen Lebzeiten ein musikalisches Denkmal setzte. Dynamik und Spielfreude legten die jungen Musiker an den Tag; auch am Ende – bei den fast schon obligatorischen Zugaben – wirkten die Akteure frisch und temperamentvoll und verdienten sich den begeisterten Beifall des Publikums. Nicht geringen Anteil am Erfolg hatte Dietmar Rehse, der durch das Programm führte und auch Blasmusiklaien mit Hintergrundinformationen das Verständnis erleichterte.

Dr. L.

LESERBRIEF: »Edelweiß« prüft weiter jede Bitte um Auftritt

Zum Artikel »Reis, Baron und Rehse: Neue Musikvereins-Spitze« vom Donnerstag, 25. November

Main-Echo, 04. Dezember 1999

    Im Bericht zur Jahresversammlung des Musikvereins »Edelweiß« Sulzbach gaben drei Punkte Anlass zu Missverständnissen.

    So hieß es, daß der Musikverein wegen der vielen Termine künftig Veranstaltungen wie Martinsumzug oder Straßenfest nicht mehr wahrnehmen wird. Dies ist so nicht korrekt. Gesagt wurde, dass die Aktiven des Musikvereins schon jetzt sehr viele Termine wahrnehmen und wir daher in Zukunft immer öfters auch einmal Auftritte werden ablehnen müssen. Martinsumzüge und Straßenfeste wurden nur als Beispiele hierfür genannt. Natürlich wird der Verein auch in Zukunft jede Anfrage einzeln prüfen.

    Außerdem wird Dirigent Winfried Rehse bezüglich der Wiedereröffnungsfeier für die St.-Anna-Kirche mit folgenden Worten zitiert: »Es gab nicht zu viel Musik, eher zu viel Worte!« Dies könnte als Kritik an den Rednern und ihren Beiträgen aufgefasst werden. Hier daher der Zusammenhang: Es wurde kritisiert, der Musikanteil an der Eröffnungsfeier sei zu hoch gewesen. Der Festakt wurde von den Veranstaltern jedoch als Eröffnungskonzert geplant, und dementsprechend haben wir uns vorbereitet. Erst nachträglich wurden weitere Redebeiträge ins Programm geschoben. Daher müsste man eigentlich sagen, dass es nicht zu viel Musik, sondern eher zu viele Worte gab.

    Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass unser langjähriges Mitglied Adolf Eisenträger glücklicherweise auch in Zukunft im Orchester mitspielen wird. Er ist also nicht, wie zu lesen war, aus dem »aktiven« Dienst ausgeschieden. Er wurde zwar verabschiedet – aber nur aus dem Ausschuss, dem der über 40 Jahre angehörte.

Musikverein Edelweiß
i. A. Hermann Seitz, Pressewart

Chorische Feinkost

»Konzert im Advent« in Sulzbacher Margaretenkirche

Main-Echo, 30. November 1999

Sulzbach. In den vergangenen Jahren zeichnete sich das »Konzert im Advent« durch die große musikalische Vielfalt aus, am Sonntagabend bündelte sich die Anzahl der Musikgruppen an der traditionellen Veranstaltung in der Sulzbacher Margaretenkirche auf drei Vereine: Musikverein Edelweiß, Schoppensänger und Paul-Singers.

In der voll besetzten Kirche wünschte Pfarrer Norbert Geiger sich einen so großen Zulauf auch für die am heutigen Dienstag fortgesetzten 1. Sulzbacher Konzertwoche mit teilweise internationaler Besetzung. Mit der »Adventshymne« von Pelestrina stieg der Musikverein sehr geschlossen und tragend in das Programm ein. Im Wechsel von Empore zum Chorraum mit einer 15-köpfigen Blechbläsergruppe setzte er die Intonation bei dem Titel »Tanzon Septimi toni« von Gabriele sehr sicher fort. Der saubere Bläsersound klang feierlich in dem glatt durchkomponierten Stück.

Die Paul-Singers haben sich spürbar weiterentwickelt. Sensibel und einfühlsam bei »My Lord, What A Morning«, majestätisch und rhythmisch bei »There´s Something About That Name« sangen sie sich sofort mit ihren Gospels in die Herzen der Zuhörer. Chorleiter Paul Merz brachte es fertig, bei Klavierbegleitung und dem verhaltenen Schlagwerk erst den swingenden Rhythmus herauszunehmen, ihm danach aber wieder Dynamik zu geben, wenn es die chorische Ausdeutung verlangte. Das gelang besonders bei »Soon And Very Soon«. Der Chor bewegt sich auf hohem Niveau, verfügt über auffallend schöne und dynamische Frauenstimmen, während die Männerstimmen noch schwächer besetzt sind.

Den Hauptteil des Konzerts bestritt der Musikverein, der seine Programmstile auf allen Positionen sauber absolvierte. Das gilt für Mendelssohns »Oratorium Elias« mit seiner erzählenden Dramatik ebenso wie für Händels »Bouree und Marsch«, wo die Holzbläser in altspanischer Marschweise loslegten. Die »Intrade« von Pezel war locker wie flüssig und versetzte den Kirchenräum in eine festliche Stimmung.

Ein Magnet in Konzerten sind immer wieder die Schoppensänger. Vier Titel gaben sie zu Gehör und bewiesen immer wieder ihre hohe Gesangskultur unter der Leitung Werner Durschang. Das sehr rhythmische Trommellied war chorische Feinkost: Zunächst steigerten sie die Dynamik, dann glitten sie in ein zartes Piano, und schließlich klangen ihre Stimmen gefühlvoll-betont aus.

Mehr Kinder müssten dabei sein, wenn der nur 16-köpfige Chor das Adventslied »Morgen, Kinder, wird´s was geben« anstimmt. Die Bearbeitung stammt vom Chorleiter selbst ­ adventlich ist dabei eigentlich nur noch der Text. Die Musik ist ein staccatisch-rhythmisches Feuerwerk, das zungenbrecherische und feine Artikulation von den Sängern verlangt. Mit »Tochter Zion …« von Händel, und »Herr, du hast mein Fleh´n vernommen« von Franz Schubert, zeigt der Chor aber auch seine sakrale Seite mit einer Geschmeidigkeit, die die Zuhörer immer wieder entzückt.

Im zweiten Gospel-Block lagen die Paul-Singers voll und ganz im Trend des Zuhörergeschmacks. »Go, Tell It On The Mountain«, swingend vorgetragen, kam ebenso gut an wie der Wechselgesang in »Jesus Born On This Day« mit Soloeinlagen. Die Meisterleistung der Paul-Singers an diesem Abend aber war »Steal Away«, ein mit viel Gefühl gesungener Titel mit wunderbarem Souleffekt.

Das Restprogramm bestritt der Musikverein. »O Heiland, reiß‘ die Himmel auf« klang jubilierend von der Empore herab. Seine ganzes Vermögen bewies der Verein in den beiden Titeln »Music For His Majesty´s« und »Sackbuts And Cornetts«, in dem die Trompeten glasklar bestachen. Eindeutig steigerten sich die Blasmusiker in der »Jupiter-Hymne« von Holst und im »Präludium« von Charpentier, der bekannten Eurovisionshymne. Ein Höhepunkt des Abends war der bekannte Titel »My Way«, der von der Bigband des Musikvereins als Zugabe fernsehreif dargeboten wurde. Die Zuschauer dankten den Akteuren mit langanhaltendem Beifall. Norbert Elbert moderierte den Abend und informierte kurz über den Lebenslauf der einzelnen Komponisten.

L.E.

Reis, Baron und Rehse: Neue Musikvereins-»Spitze«

Keine Nachwuchssorgen bei »Edelweiß« ­- 106 Termine

Main-Echo, 25. November 1999

Sulzbach. 301 Mitglieder, davon 223 fördernde zählt der Musikverein »Edelweiß«, 38 von ihnen – darunter viele Jugendliche – waren zur Jahresversammlung ins Gasthaus »Zur goldenen Sonne« gekommen, wo ein neues Führungsteam zu wählen war, da der Vorsitzende Lothar Waßmer nicht mehr kandidierte.

Der bisherige 2. Vorsitzende Andreas Reis gab einen kurzen Rückblick auf das vergangene Musikerjahr. 106 Termine wurden wahrgenommen, darunter 43 Proben, 20 Ständchen, elf kirchliche Anlässe und 27 Auftritte. Reis wies darauf hin, dass künftig Veranstaltungen wie Martinsumzug oder Straßenfest nicht mehr wahrgenommen werden können.

Reis dankte der Gemeinde für die Überlassung der Schul-Aula für Veranstaltungen sowie für die Einrichtung eines Proberaumes in der Braunwarthsmühle, die im April 2000 fertiggestellt sein soll. Ein Teil der Räumlichkeiten in der Main-Spessart-Halle wird ebenfalls weiterhin genutzt werden können.

Winfried Rehse, der weiter als Dirigent zur Verfügung steht, stellte kritische Gedanken an zum Festakt »Wiedereröffnung der St.-Anna-Kirche« im März an, wo Stimmen laut wurden, der Musikanteil sei zu hoch gewesen. Rehse: »Es gab nicht zu viel Musik, eher zu viele Worte!«

Eine ganze Reihe neuer Musiker konnte gewonnen werden. Christopher Naun als Jugendvertreter hat 67 junge Leute bis 27 Jahre um sich, von denen 24 bereits in der aktiven Kapelle mitspielen. 21 befinden sich in der musikalischen Grundausbildung, acht spielen Blockflöte und 14 lernen ein Instrument. Kassenwart Werner Dölger berichtete, dass trotz einiger außergewöhnlicher Ausgaben die Kasse noch nicht leer ist.

Für drei Jahre wurde der neue Vorstand, ein durchweg junges Führungs-Team, jeweils einstimmig gewählt: 1. Vorsitzender Andreas Reis, 2. Vorsitzender Bernward Baron, 3. Vorsitzender Markus Rehse, Kassenwart Werner Dölger, Stellvertreter Edwin Rüd, Schirftführerin Maria Rehse, in Ausschüssen Alfred Sommer, Wolfgang Gado, Albert Hein, Dietmar Rehse, Hermann Seitz, Herbert Brauner und Peter Roos. Als Kassenprüfer wurden Christian Reis und Werner Schwarzkopf bestellt.

Eine besonderer Dank wurde Adolf Eisenträger zuteil, der nach 40 Jahren engagierter Vereinstätigkeit unter anderem als Musiker, in der Jugendarbeit und im Vorstand aus dem aktiven Dienst in der Kapelle ausschied. Er wird dem Verein aber auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.

3. Bürgermeister Peter Maurer bedankte sich beim MV »Edelweiß« für seine Einsätze bei vielen Anlässen und versprach weitere Unterstützung. Theo Heßler, der als Gast an der Versammlung teilnahm, spendete dem Musikverein ein neues Instrument für die Jugendarbeit.

helge

Musik präzise im Takt und in den Einsätzen exakt

Edelweiß Sulzbach: Frühjahrskonzert keine Mogelpackung – Musiker im Alter von zehn bis 80 Jahren

Main-Echo, 26. April 1999

Sulzbach. Nicht immer ist heutzutage das drin, was auf der Verpackung steht, doch beim Sulzbacher Musikverein Edelweiß, der in der Aula der Volksschule sein Frühjahrskonzert gab, ist wirklich Musik drin. Dies gilt für jedes einzelne Mitglied des Orchesters, von dem fast 80jährigen an der großen Trommel bis hin zur gerade mal zehnjährigen Saxophonspielerin, und ganz besonders für seinen jungen Dirigenten Winfried Rehse. Die Bühne der Aula war fast zu klein, um alle Musiker aufzunehmen, im Zuschauerraum hingegen waren etliche Plätze frei geblieben. Insgesamt bot der Musikverein ein abwechslungsreiches und teilweise anspruchsvolles Programm. Blasmusik reduziert sich nicht auf Märsche, doch ab und zu darf einer sein, so beispielsweise der Graf-Zeppelin-Marsch von Carl Teike, der als Einspielstück geeignet war. Schwieriger war da schon James Curnows »Mid-West Golden Jubilee Ouverture«. Zupackend gelang der rhythmisch vorwärtstreibende erste Teil, während beim eher lyrischen zweiten Teil noch am Zusammenspiel und der Klanggestaltung gefeilt werden müßte. Mit vollem Bläsersound glänzte das Orchester beim feierlich schreitenden Motiv der »Jupiter-Hymne«, dem ersten Satz aus Gustav Holsts Planeten-Suite. Man merkte, daß die Spieler »in die Gänge« gekommen waren. Es gab nur noch wenige Ansatzprobleme, das Zusammenspiel war gefestigt und sicherer geworden. Volkstümlich im besten Sinne und abwechslungsreich dazu waren die drei »Melodien aus Cloucester« des Briten Hugh Stuart.

Wuchtig, im feierlichen Schreittakt, entfalteten die Musiker Edvard Griegs Huldigungsmarsch, zuerst gedämpft in den unteren Lagen, später dann im vollen Glanz schmetternder Trompeten. Seinen Abschluß fand der erste Teil des Abends mit der bekannten Donner-und-Blitz-Polka von Johann Strauß (Sohn). Das Stück wurde schmissig gespielt, das Nacheinander von Blitz (Becken) und Donner (Trommel) klappte vorzüglich. Wenn man noch mehr die Gegensätze von Piano und Forte betont, dann klingt das wie im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

War der erste Teil eher der »klassischen« konzertanten Blasmusik gewidmet, so galt der zweite Teil des Abends dem moderneren Big-Band-Sound. Swingend und mit viel Drive erklangen »The Exciting New Harmonie Band« des Holländers Ted Huggens und »Hits International« von Manfred Schneider. Besonders letzteres erwies sich als gefälliges und stilsicheres Arrangement. Unter der sorgfältigen Leitung ihres Dirigenten zeigten sich die Musiker auch hier rhythmisch sicher, die Synkopen kamen nicht »verwaschen«, sondern fielen präzise neben den Taktschlag, die Einsätze waren exakt. Winfried Rehse ist kein Showtalent, hüpft nicht wie mancher Big-Band-Leader auf der Bühne herum. Er dirigiert mit eher sparsamen Bewegungen, doch immer dann, wenn man als Musiker ihn braucht, ist er mit Einsatzzeichen oder musikalischen Hinweisen zur Stelle. Beim folgenden Stück »The Lord of The Dance« wäre man nicht erstaunt gewesen, Michael Flatley mit seinen irischen Tänzerinnen steppen zu sehen. Raffiniert gelang dabei die Nachahmung von Dudelsack, durchdringend klang das Spiel der Flöten. Der Witz des Stücks beruht auf der ständigen Beschleunigung des Grundschlags, so daß am Ende ein fast bacchantischer Taumel entsteht.

An Rondo Veneziano erinnerte die »Sinfonia per un addio«, die einen Versuch darstellt, barocke Musik in moderner Version zu bieten. Fast professionell wirkte der Abschluß, John Sousas »Stars And Stripes Forever«. Hier klappte einfach alles: der donnernde Beginn, der Wechsel der einzelnen Instrumentengruppen, Ritardandi und Steigerungen, die sangliche Kantilene im Trio und das fast schon virtuose Umspielen der Melodie durch die Pikkoloflöte.

Kein Wunder, daß Zugaben gefordert und gerne gewährt wurden, darunter der unverwüstliche Radetzky-Marsch.

Werner Ziegler

Keine Nachwuchssorgen: 39 junge Leute in Ausbildung

Vom »Edelweiß«-Konzert zum 75. Jubiläum gibt es eine CD

Main-Echo, 01. Dezember 1998

Sulzbach. Zehn neue Mitglieder, aber keine Austritte: Diese erfreuliche Nachricht vermittelte der Vorsitzende des Musikvereins »Edelweiß«, Lothar Waßmer, bei der Jahresversammlung in der »Sonne« den 26 Teilnehmern.

In seinem Rückblick führte Waßmer unter anderem 46 Proben an, 18 Ständchen bei Mitgliedern, Auftritte bei elf kirchlichen Anlässen und 13 Ausschußsitzunge. Von den 304 Mitgliedern sind 219 fördernd und 46 (34 männlich, 12 weiblich) aktiv. 39 Jugendliche befinden sich in Ausbildung. Das vergangene Musikerjahr war besonders geprägt vom Jubiläumsfest zum 75jährigen Bestehen des Vereins und der Ausrichtung des Bezirksmusikfestes des Nordbayerischen Musikbundes vom 5. bis 8. Juni. Der Dank des Vorsitzenden galt den vielen Mitwirkenden »vor und hinter den Kulissen«.

In seinem Dirigenten-Bericht erwähnte Winfried Rehse nicht ohne Stolz, daß junge Sulzbacher Talente in verschiedenen überregionalen Orcherstern mitwirken: Maria Rehse beim Unterfränkischen Bezirksauswahlorchester; im Nordbayerischen Jugendblasorchester Karin Disser, Stefanie Grein und Markus Rehse und bei der Bläserwoche in Hammelburg waren Anke Waßmer, Susanne Zawidzki und Christopher Naun beteiligt. Kürzlich bestand Maria Rehse die Bläserprüfung »D3«, Anke Waßmer und Susanne Zawidzki die Bläserprüfung »D2«.

Markus Rehse vertrat 63 »Bläserjugendliche« (bis 27 Jahre), von denen 22 bereits in der Kapelle mitspielen. 18 befinden sich in der »musikalischen Grundausbildung«, acht spielen Blockflöte und 15 lernen ein Instrument, um später in die aktive Kapelle übernommen werden zu können.

Weil wegen des Jubiläumsfests einige andere Dinge »unter den Tisch fielen«, ist fürs kommende Jahr wieder ein mehrtägiges Zeltlager oder ein Jugendherbergsaufenthalt geplant. Über den finanziellen Abschluß des Jubiläumsfests konnte Kassenwart Werner Dölger noch nichts berichten, eine exakte Abrechnung steht noch aus. Doch im Überblick lasse sich feststellen, daß das Fest bei Besucherzahl und Erlös die Erwartungen nicht ganz erfüllt hat.

Bürgermeister Hermann Spinnler beglückwünschte Kapelle und Dirigenten zu den hervorragenden musikalischen Leistungen beim Jubiläumsfest. Davon wurde auch eine CD aufgenommen: »75 Jahre Musikverein Edelweiß Sulzbach – Jubiläumskonzert 1998« unter Leitung von Bundesmusikdirektor Ernst Oestreicher. Sie ist erhältlich bei Lothar Waßmer, Telefon 06028/5968.

helge

1000 Klänge sagen mehr als eine Werberede

Vier Tage »Blasmusik pur« in Sulzbach mit über 1500 Aktiven in 42 Kapellen

Main-Echo, 09. Juni 1998

Den Festgottesdienst im Zelt zelebrierte Kaplan Thomas Amrehn aus Amorbach, der zuvor Diakon und Kaplan in Sulzbach war. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Musikverein Harmonie aus Laudenbach
Den Festgottesdienst im Zelt zelebrierte Kaplan Thomas Amrehn aus Amorbach, der zuvor Diakon und Kaplan in Sulzbach war. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Musikverein Harmonie aus Laudenbach

Sulzbach. Über 40 Musikkapellen und Spielmannszüge mit mehr als 1500 Musikern machten Sulzbach am Wochenende zum »Blasmusikzentrum« Unterfrankens. Vier Tage Jubiläumsfeier anläßlich »75 Jahre Musikverein Edelweiß Sulzbach«, verbunden mit dem Bezirksmusikfest des Nordbayerischen Musikbunds (wir berichteten), boten ein dichtgedrängtes Programm: klangvolle Werbung für die Blasmusik.

Wer darauf gewartet hatte, im Verlauf der Feierlichkeiten Ansprachen »von offizieller Seite« zu hören, wurde enttäuscht. Das, was an Wichtigem zu sagen war, ist bereits im Rahmen des »Edelweiß«-Ehrenabends am 16. Mai erledigt worden. Das Wochenende stand ausschließlich im Zeichen der Musik! Insgesamt wirkten 42 Kapellen und Spielmannszüge aus Unterfranken an der Gestaltung des Programmes mit. Auch aus Mittel- und Oberfranken waren Musikgruppen vertreten. Selbst von der französischen Partnerkapelle (»Zarpaï Banda« aus dem baskischen Hendaye), zu der »Edelweiß« bereits seit 20 Jahren Kontakte unterhält, war eine Abordnung angereist.

Es gab das Wertungsspeilen vor einer Jury, Sternmarsch der Vereine, Gemeinschafts-Chöre (am Samstag mit zwölf und am Sonntag mit 14 Musikkapellen), einen Festzug von der »Grünen Lunge« zum Festplatz an der Kolbensteinmauer, Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Show-Einlagen. Das Symphonische Blasorchester Unterpleichfeld zum Beispiel präsentierte am Sonntag nachmittag »konzertant-unterhaltende Blasmusik«, die im vollbesetzten Festzelt die Besucher faszinierte. Beim Wertungsspeil erhielt das Klarinetten-Trio »Black Roots« vom MV Trennfurt die Note »eins mit Belobigung«, ebenso die Jugendkapelle aus Wiesthal. Am Rande der Großveranstaltung gab es eine Instrumenten- und Notenausstellung im Sportzentrum Mainblick, die viele interessierte.

Am Sonntag vormittag zelebrierte Thomas Amrhen, Kaplan in Amorbach und zuvor längere Zeit Diakon und Kaplan in Sulzbach, einen Gottesdienst im Zelt, der vom Musikverein »Harmonie« Laudenbach musikalisch umrahmt wurde. Auch die Wünsche der jüngeren Festbesucher hatten die Organisatoren berücksichtigt: Die Kleinen konnten auf dem Karussell vorm Zelt ihre Runden drehen, und am Sonntag und Montag zog sie der Zauberer »Magic Manni« in seinen Bann. Vier Tage gab Blasmusik in Sulzbach den Ton an. Das Fest ging zu Ende, die Erinnerung an Blasmusik der Extraklasse bleibt.

helge

Solobild zum Festzug

Main-Echo, 08. Juni 1998

EIN FARBENFROHER FESTZUG mit 29 Gruppen, darunter 14 Musikkapellen und Spielmannszüge aus ganz Unterfranken, bewegte sich am Sonntag durch Sulzbach (Kreis Miltenberg). Zu seinem 75. Gründungsjubiläum hatte der Musikverein »Edelweiß« Sulzbach das Bundesbezirksmusikfest des Nordbayerischen Musikbundes in der Gemeinde organisiert. Den zahlreichen Zuschauern bot sich eine bunte Mischung, denn auch die anderen ortsansässigen Vereine hatten sich für den Zug etwas Originelles einfallen lassen, um ein Zeichen der Verbundenheit mit »ihrer Musik« zu setzen. Allein der Turnverein 03 war mit über 80 Teilnehmern vertreten. Angeführt wurde der Zug vom Rad- und Fahrverein Sulzbach mit herausgeputzten Pferdegespannen. Auch eine Abordnung der Partnerkapelle »Zarpaï Banda« aus dem baskischen Hendaye in Frankreich, zu der seit 20 Jahren Verbindungen bestehen, nahm an dem Festzug teil.

Solobild zum Sternmarsch

Main-Echo, 07. Juni 1998

ZWÖLF KAPELLEN mit 500 Musikern aus ganz Unterfranken zogen am Samstag abend in einem Sternmarsch durch Sulzbach (Kreis Miltenberg) und konzertierten um 19.30 Uhr unter der Leitung des Bundesdirigenten Ernst Oestreicher auf dem SV-Sportplatz. Der Grund für diesen imposanten Auftritt: Der Musikverein »Edelweiß« Sulzbach feiert bis Montag sein 75jähriges Bestehen und ist gleichzeitig Ausrichter des unterfränkischen Bundesbezirksmusikfestes des nordbayerischen Musikbundes. Das Publikum erfreuten die zwölf Kapellen am Samstag abend mit »Cantata Jubilata« von Hans Hartwig, dem Bayern-Marsch von Edmund Löffler, mit der Bayernhymne von Max Kunz und dem Deutschlandlied von Joseph Haydn. Bereits am Freitag abend hatte das renommierte Hessische Polizeiorchester unter Leitung von Gerhard Schieferdecker vor vielen begeisterten Zuhörern im Festzelt gespielt. Tanzmusik ließen die Klingenberger Musikanten erklingen. Heute abend steht unter anderem der Auftritt der international bekannten tschechischen Kapelle »Vlcnovjanka« auf dem Programm. Den musikalischen Ausklang des Jubiläumsfestes teilen sich am Montag abend die Sulzbacher Oldtimer mit der Kolpingkapelle Leidersbach und der Tanz- und Stimmungskapelle Hobbacher Musikanten.

Bundesmusikfest und 75. Jubiläum: »Edelweiß« feiert mit Pauken und Trompeten

Über 40 Kapellen machen Sulzbach für vier Tage zum »Blasmusikzentrum« Unterfrankens

Main-Echo, 03. Juni 1998

Sulzbach. Vom 5. bis 8. Juni feiert der Musikverein (MV) »Edelweiß« sein 75jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß richtet er das Bezirksmusikfest des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) aus, zu dem sich bislang über 40 Kapellen aus ganz Unterfranken angemeldet haben. Auch Musiker aus Hessen und eine tschechische Spitzenkapelle haben ihre Teilnahme zugesagt.

Der MV »Edelweiß« knüpft an diese Großveranstaltung die Erwartung, daß sie eine Werbung für die Blasmusik wird – speziell auch für die Jugend. Festpräsident ist der Zweite Bürgermeister des Marktes Sulzbach, Reinhard Moraw. Als »musikalische Wegweiser« gingen dem Fest bereits drei Veranstaltungen voraus: im März der Jazzfrühschoppen und im Mai ein Ehrenabend und das Jubiläumskonzert.

Wendelin Hasenstab heute: Der 93jährige Mitbegründer des Musikverein "Edelweiss" Sulzbach wurde beim Ehrenabend zum 75. Vereinsjubiläum besonders geehrt
Wendelin Hasenstab heute: Der 93jährige Mitbegründer des Musikverein „Edelweiss“ Sulzbach wurde beim Ehrenabend zum 75. Vereinsjubiläum besonders geehrt

Eine im Rathaus aufgefundene Rechnung von 1889 gibt einen ersten Anhaltspunkt über die Existenz einer Blasmusik in Sulzbach. Der Umzug von Josef Hirsch von Dornau nach Sulzbach im Jahr 1904 brachte musikalisch Leben in die Gemeinde. Vor der Gründung des Musikvereins im Jahre 1922 gab es bereits die »Kapelle Ziemlich«, die nach Angaben des 1981 im Alter von 93 Jahren verstorbenen Josef Ziemlich in und um Sulzbach musikalisch in Erscheinung trat. Handgeschriebene Noten aus jener Zeit übergab Josef Ziemlich kurz vor seinem Tode dem damaligen Dirigenten Dietmar Rehse. Weitere schriftliche Belege oder Bilder sind kaum vorhanden.

Zwei Kapellen vereint
Der Musikverein »Edelweiß« gründete sich 1922 unter dem Vorsitz von Valentin Fath aus zwei damals bestehenden Kapellen. Unter dem ersten Dirigenten Paul Usinger aus Erlenbach probten die Aktiven zunächst privat bei Josef Hirsch, später in den Gasthäusern »Rose«, »Krone« und »Sonne«. Schon bald nach der Gründung entstand unter der Leitung des neuen Dirigenten Wilfried Bergmann ein beachtlicher Klangkörper.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich wieder reges Vereinsleben. Bereits am Fronleichnamstag 1945 erklang unter Leitung von Linus Fries wieder Prozessionsmusik. Fries war es auch, der am 2. Weihnachtsfeiertag 1945 alle in Sulzbach lebenden Musikanten, auch Heimatvertriebene, zu einer ersten Generalversammlung in seiner Wohnstube zusammenrief, wo der Verein  den bereits bestehenden Namen »Edelweiß« festschrieb. Auf Verlangen der amerikanischen Besatzungsmacht stellte man eine Tanzkapelle zusammen und spielte unter Leitung von Linus Fries des öfteren im Gasthaus »Engel« auf.

Auf die Jugend gesetzt
Durch konsequentes Proben unter Linus Fries (bis 1949) und Julius Singer (bis 1962) konnte die musikalische Leistung beachtlich gesteigert werden. Als in den Jahren 1962/63 mehrere aktive Musiker starben und es nur wenige Nachwuchsspieler gab, schien der Bestand der Kapelle gefährdet. Zur Existenzsicherung entschloß sich der damalige Vorstand unter Vorsitz von Karl Schmitt, eine Jugendkapelle zu gründen. Durch eine in der Vereinsgeschichte beispiellose »Geldbeschaffungsaktion« gelang die Finanzierung der benötigten Ausrüstung, und ab September 1963 probte die neue Jugendkapelle wöchentlich. Die sogenannte »aktive Kapelle« bestand bis 1967 zwar noch auf dem Papier, aber in der Praxis bewährte sich die Jugend (bis heute) bei allen kirchlichen, weltlichen und vereinsinternen Veranstaltungen.

1967 legte Alfons Durschang gesundheitsbedingt den Dirigentenstab nieder und Dietmar Rehse, der bereits seit 1963 in der Trompeterausbildung tätig war, übernahm die Leitung. In den Folgejahren bis heute wurde konsequent Jugendausbildung betrieben. Als noch niemand von »musikalischer Früherziehung« sprach, gab es in Sulzbach bereits eine Blockflötengruppe, in der »musikalische Grundausbildung« vermittelt wurde. Von 1978 bis 1984 wurde eine zweite Jugendkapelle unter Beteiligung von Nachwuchsmusikern aus den umliegenden Gemeinden aufgestellt, die bereits 1987 von der nächsten Formation abgelöst wurde. Zur Zeit sind 24 Kinder aus Sulzbach in Einzel- und, zusammen mit Kindern aus Dornau und Ebersbach, in Gruppenausbildung. Auch der »Kontakt nach außen« wurde gesucht und gepflegt. So bestehen unter anderem seit 20 Jahren partnerschaftliche Beziehungen nach Frankreich, zur »Zarpaï Banda« aus dem baskischen Hendaye.

Dietmar Rehse drängte auf die alljährliche Teilnahme am Wertungsspiel. Je eine Rundfunk- und Schallplattenaufnahme erhöhten die Motivation der Musiker. National und auch international erzielte man von 1965 bis heute hervorragende Plazierungen. Mit ebenfalls ausgezeichneten Bewertungen beteiligten sich Mitglieder der Kapelle an den Wettbewerben zum »Jugendkulturpreis des Landkreises Miltenberg« sowie »Jugend musiziert«. In den Jahren 1993 bis 1996 übernahm Winfried Rehse Schritt für Schritt das Amt des Dirigenten von seinem Vater Dietmar. Erst kürzlich überzeugte sich der Bundesdirigent Ernst Oestreicher während des Jubiläumskonzerts vom hohen Leistungsstand der Sulzbacher Musiker.

Infos über Internet
Der MV »Edelweiß« Sulzbach besitzt seit geraumer Zeit eine eigene Internetseite unter »http://www.hotspot.de/mvs«, über die alle aktuellen Vereinsinformationen, auch rund ums Jubiläumsfest, abgerufen werden können.

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